Das Unternehmen

Porzellan ROTH GmbH

George Roth gründete 1871 am Neumarkt 1 ein Geschäft für Kristall- und Glaswaren, das 1895 George Roth jun. übernahm. Im letzten Kriegsjahr 1918 fiel er und Rudolf Kipp kam an die Spitze der Firma. Er war ein hervorragender Fachmann und galt als umsichtiger und rühriger Unternehmer. Rudolf eröffnete 1920 in der Universitätsstraße ein zweites Geschäft für Porzellan, Steingut, Glas und Kristall. Er erwarb 1935 im Städtischen Kaufhaus am Neumarkt Verkaufsräume und zog mit seinem Spezialgeschäft dort ein. Die Eröffnung wurde in der Fachpresse stark beachtet.

Rudolf Kipp hatte in puncto Werbung, Schaufenstergestaltung oder Inneneinrichtung Maßstäbe gesetzt. Im Eckhaus verfügte das führende Spezialgeschäft für Kristall und Porzellan mit sechs Schaufenstern und neun Schaukästen über eine nicht alltägliche Ausstellungs- und Werbefläche. Im Jahre 1936 ging die Firma an seinen Sohn, Herbert Kipp, über. Im Dezember 1943 wurde der Laden total ausgebombt und 1945 starb Herbert. Seine Schwester Gerda Müller leitete jetzt das Geschäft allein. In der Klostergasse fand man eine Notunterkunft.

Vier Jahre wurde dort mit Porzellan, Glas, Kristall, Bronzen und Marmor gehandelt. Glasnachttöpfe waren besonders gefragt. Gerdas Mann, Paul Müller, übernahm später das Unternehmen. Die Firma zog 1950 in das Messehaus „Drei Könige“ in die Peterstraße. Später wechselten sie in der Nikolaistraße mehrfach die Standorte. Immer galt die Devise: „Im Falle eine Falles, bei Roth bekommst du alles!“ In eigener Kellerwerkstatt wurden Widmungen und Texte auf Pokale, Vasen, Schalen und Figuren, speziell für Sportpreise und Jubiläumsgeschenke, eingraviert oder aufgemalt. Preise und Delegationsgeschenke vertrieb der Kommissionshändler in den 70er Jahren im großen Maßstab.

Sportvereine, DTSB- und FDGB- Bezirksverbände, die NVA, das Ministerium des Inneren wurden mit wertvollen Bleikristallvasen oder Schalen mit entsprechender Gravur und Etui beliefert. Als die Firma VEB Henneberg- Porzellan die Produktion von Zierporzellan einstellte, spürte die Firma Roth die sozialistische Mangelwirtschaft. Die Direktverträge für Bleikristall und Kobaltporzellan wurden 1977 gestrichen. Bitt- und Bettelbriefe oder Beschwerden halfen nichts. “ Die Bereitstellung von mundgeblasenem Bleikristall“ war nicht möglich, da “ das gesamte Aufkommen zur Sicherung der Exportausgaben benötigt“ wurde. Für den „Binnenmarkt“ wurde „It. Zentraler Entscheidung ein begrenztes Volumen bereitgestellt, das in ausgewählten Fachgeschäften verkauft“ werden sollte.

Die Firma ging 1984 an Stefan Müller über, der sie bis zu seinem frühen Tod 1987 führte. Seine Frau Steffi Müller leitete sie bis 1990 allein weiter. Mit dem Ingenieur für Keramik, Hartmut Knauer, spezialisierte sich das Geschäft wieder auf Porzellan und Kristall. Seit den 90er Jahren betreibt Familie Knauer die Firma. Das Angebot reicht wieder vom angestammten Sortiment über moderne und antike Kunst bis zu Antiquitäten. Besonders gefragt ist das Thüringer und Sächsische Porzellan. Im An- und Verkaufsbereich kann man seine „Meißner Sammlung“ vervollständigen.

Quelle: „Geschäfte mit Geschichte, traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Westsachsen“; 2001; herausgegeben vom HANDELSVERBAND SACHSEN e. V.
www.handel-sachsen.de